Fachhochschule Neumünster

 

Neumünster liegt in im Herzen Schleswig-Holstein an der Schwale, einem Nebenfluss der Stör.

Die Lage Neumünsters (22-29m über dem Meeresspiegel) auf der flachen, wenig  fruchtbaren  Geest, einem Sander der letzten Eiszeit, begünstigt eine Ausdehnung des Ortes in die Fläche.

Neumünster stand an der Heerstrasse von Hamburg nach Flensburg, an einem Kreuzungspunkt mit der Lübschen Trade von Lübeck nach Dithmarschen.

Gründung eines Augustiner-Chorherren-Stifts um 1127. Mit der Weihe der Bartholomäuskirche 1163 wird der Name „Novum Monasterium“ = Neumünster gebräuchlich.

Die Ortslage an der Schwalefurt fördert Handel und Fuhrwesen.

Die Rohstoffbeschaffung auch über die nahen Häfen Hamburg und Altona ermöglichte in der Neuzeit die Entwicklung der Tuch und Lederindustrie aus Handwerksbetrieben.

1824 kam die erste Dampfmaschine aus England über Hamburg nach Neumünster. Die erste Kunststrasse wurde unter Frederik VI 1832 von Altona über Neumünster nach Kiel gebaut. Die erste Ostseebahn wurde ebenso von Altona über Neumünster nach Kiel 1844 eingeweiht.

1867 wurde Schleswig-Holstein und damit Neumünster durch das Besitzergreifungspatent preußisch.

Tuch und Leder florierten durch neue Absatzgebiete im Deutschen Reich.

1871 hatte Neumünster 8629 Einwohner.
1914 waren es 38.000
1939 waren es  54.000
1946 hatte es 66.185 und
1950 waren es schon 73.000. 

Die Nachkriegszeit mit ihrem enormen Nachholbedarf begünstigte die Tuch- und Lederindustrie.

So war es nicht ungewöhnlich, dass 1947 aus dem inzwischen ostzonalen Sachsen, eine Reihe von Lehrkräften der Textilschulen Forst, Apolda und Chemnitz nach Neumünster kamen um dort eine Fachschule für Textil aufzubauen.

Neumünster als Tuchmacherstadt war prädestiniert dazu. In kleinem Rahmen wurde der Textil-Fachschul-Betrieb aufgenommen.
In einer Brachenfelder Baracke wurde der Schulbetrieb begonnen.  Erster Leiter war Dr. Reinke.

Mit großer städtischer Unterstützung und Mitteln aus der amerikanischen Mc-Cloystiftung wurde 1951 gebaut und 1952 in der Parkstrasse am 9.Februar das Richtfest für das Hauptgebäude einer Textilfach- und -ingenieurschule Neumünster gefeiert.

„Textifach- und -ingenieurschule Neumünster“

Der weitere Ausbau der Schule ging entsprechend der großen Nachfrage nach Ausbildungsplätzen schnell voran und so konnte schon 1954 der oben abgebildete Schulkomplex mit entsprechenden Unterrichtsräumen (oben) und Maschinenhallen und Werksräumen  (unten) entstehen.

Es wurden Ingenieure (5 Semester) in den Fachrichtungen Weberei und Strickerei/Wirkerei und Techniker (3 Semester) in den Fachrichtungen Weberei, Strickerei/Wirkerei und Textil- chemie ausgebildet, ferner Bekleidungs-Direktricen (4 Semester) und Textilkaufleute (1-2 Semester)

Im Verlaufe des Ausbaus der Textilfachschule wurden die Lehrpläne erweitert und die Ausbildung der Ingenieure wurde nach 1964 auf 6 Semester angehoben und die Schule wurde als

„Fachhochschule Neumünster“ weitergeführt.

Der Strukturwandel der Textilwirtschaft in den 60er Jahren führte zu einem starken Rückgang der Betriebe in der Bundesrepublik und damit auch zu einem Abbau an Bewerbern an unserer Fachhochschule. So war es nur konsequent, dass 1973 die Fachhochschule Neumünster aufgelöst, zu einem geringen Teil an die Fachhochschule Kiel angegliedert wurde und letztlich ganz verschwand.